Grüne stellen Antrag zur Prüfung für einen Spender für die kostenlose Abgabe von Monatshygieneartikeln

Antrag zur Prüfung durch die Gemeinde, in welcher Form in der Gesamtschule Rödinghausen hygienische und vandalismussichere Spender für die kostenlose Abgabe von Monatshygieneartikeln aufgestellt werden können.

Rödinghausen, den 23.05.2021

Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stellt den Antrag, folgenden Beschlussvorschlag im Ausschuss für Schule, Jugend, Bildung und Sport zu beraten und zu beschließen, um ihn dann in einer Ratssitzung zur Abstimmung zu stellen:

„Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, in welcher Form in der Gesamtschule Rödinghausen hygienische und vandalis-mussichere Spender für die kostenlose Abgabe von Menstruationsartikeln aufgestellt werden können. Dazu sind die Kosten für die Anschaffung und Installation darzulegen.“

Begründung:

Das erste Mal tritt die monatliche Regelblutung, auch Menstruation oder Periode genannt, durchschnittlich zwischen dem elften und vierzehnten Lebensjahr auf und beeinflusst das Leben von Mädchen und Frauen von diesem Zeitpunkt an monatlich bis zum Beginn der Wechseljahre. Rund 500 Mal in ihrem Leben stellt sie Mädchen und Frauen vor Herausforderungen. Die Periode nimmt keine Rücksicht auf den Zeitpunkt oder die Lebenssituation, lässt sich nicht beeinflussen oder regulieren. Daher passiert es nicht selten, dass Mädchen und Frauen plötzlich und unerwartet in die Situation kommen, dass sie akut Damenhygieneartikel benötigen.

So können Situationen entstehen, in denen Mädchen und Frauen massiv eingeschränkt werden und mit Scham reagieren.

Gerade Menschen, die unter soziökonomisch schwierigen Bedingungen leben, sollten unterstützt werden. So stehen laut des ALG-II-Regelsatzes einer alleinstehenden oder alleinerziehenden Person lediglich 17,02 € des Gesamt-satzes von 446 € pro Monat für den Einkauf von Gesundheits- und Pflegeartikeln zur Verfügung. Mädchen und Frauen werden hier vor besondere Herausforderungen gestellt, denn sie müssen neben Hygieneprodukten des täglichen Bedarfs, auch Menstruationsartikel wie Binden und Tampons erwerben. Die Kosten für diese Produkte werden monatlich auf bis zu 15 € geschätzt – Schmerzmittel oder ähnliche mit der Menstruation verbundene Kosten sind dort noch nicht mit eingerechnet.

Das Problem, das hier deutlich wird, hat seit einiger Zeit einen Namen: Man spricht von Periodenarmut. Armut, die auftritt, wenn sich Mädchen und Frauen diese Produkte nicht mehr leisten können. Sie beginnen Stoffreste zu benutzen, die eine gesundheitliche Gefahr darstellen, nehmen weniger bis gar nicht am gesellschaftlichen Leben teil, sodass man auch von sozialen und psychischen Problemen in Folge der Periodenarmut spricht. Auch an deutschen Schulen berichten Lehrer*innen und Sozialarbeiter*innen über Scham bei Schülerinnen und die Nutzung von Stoffresten und Klopapier statt hygienischer Artikel. Obwohl die genauen Zahlen und Untersuchungen zu dem Thema in Deutschland gänzlich fehlen, zeigt ein Blick in unser Nachbarland Großbritannien, wie akut dieses Problem die Lebensrealität von Mädchen und Frauen bedroht. Dort kann sich eines von zehn Mädchen im Schulalter keine zwei Binden und Tampons pro Monat leisten. In Schottland ist seit Ende 2020 gesetzlich geregelt, dass in öffentlichen Einrichtungen (insbesondere Schulen und Universitäten) Menstruationsartikel kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Neuseeland und zuletzt Frankreich setzen ebenfalls entsprechende Regelungen um.

Ziele sind dabei stets, Periodenarmut zu vermeiden und einen Beitrag zur Enttabuisierung des Themas Menstruation zu leisten. Die Ausstattung der Gesamtschule mit kostenlosen und unkompliziert zugänglichen Periodenprodukte soll hier in Rödinghausen der erste Schritt zur Erreichung dieser Ziele sein.

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